Im Grunde gut

Sind Menschen im Grunde schlecht oder gut?
Rutger Bregmann kann schlüssig zeigen: Menschen sind „im Grunde gut“, selbst wenn sie schreckliche Dinge tun.
Eigentlich müsste dieses Buch an alle Haushalte verteilt werden, damit endlich das auf falschen Annahmen basierende, Angst erzeugende Menschenbild in unseren Köpfen richtig gestellt wird.

Die gängige Fassadentheorie, der Mensch sei schlecht – wie vom englischen Philosophen Thomas Hobbes oder dem Italiener Niccolò Machiavelli behauptet oder von Psychologen wie Philip Zimbardo aus Experimenten abgeleitet – wird durch vielerlei wissenschaftliche Befunde deutlich widerlegt.

Auch geschichtliche Lebensformen – in frühen und modernen Kulturen – werden betrachtet und die Entwicklung der Menschenbilder hergeleitet, so dass ein schlüssiges Erklärungsangebot vorgestellt werden kann.

Keine Posaunen vor Jericho – Archäologie und Bibel

Kaum ein Landstrich ist von Archäologen so gründlich umgegraben worden, wie der Nahe Osten.
Dabei zeigte sich, dass so manche Geschichte in der Bibel nicht den auffindbaren Fakten entspricht.
Die Autoren zeichnen ein historisches, nachweisbares Geschichtsbild der Region Naher Osten und wie sich das Buch der Bücher aus alten mündlich weitergegebenen Überlieferungen entwickelt hat.

Ich fand es erhellend, da nicht nur psychologische Erkenntnisse über Wahrnehmung und Erinnerung, sondern auch die Archäologen den Glauben an das Wort, im Sinne eines Beharrens auf den wörtliche zu glaubenden Inhalt der Bibel, ad absurdum führen.

Auch Adam hatte eine Mutter

Es ist lange her, dass ich das Buch gelesen habe, aber der Titel ist mir eindrücklich in Erinnerung geblieben.
Paul Hengge (1930-2015) beschäftigt sich hier mit einer alten Überlieferung in den Büchern des Propheten Moses und stellt im übertragenen Sinne die Frage nach Henne oder Ei – was war zuerst – jedenfalls war immer zuvor schon etwas da, aus dem sich das Folgende entwickelt hat.

Aberglauben, Unwissen, Machtgier im Mittelalter

Köln im Jahr 1260: Jacop der Fuchs, ein liebenswerter Dieb und Herumtreiber, wird unfreiwillig Zeuge eines Mordes. Jeder, dem Jacop diese Geschichte erzählt, ist kurze Zeit später tot. Kann er den Täter entlarven, bevor auch er zu seinem Opfer wird …
Unter diesem Füllstoff versteckt, setzt sich der Roman kritisch mit Machtpolitik, Kirche und insbesondere mit den Gedanken des französischen Philosophen Petrus Abaelardus (1079-1142) auseinander, einem Vorläufer der Aufklärung (die um das Jahr 1700 begann).

Der Historien-Krimi ist leichte Kost, die hintergründig eingestreuten Gedanken jedoch überlegenswert.

Blackout

800 Seiten Thriller über einen von Hackern ausgelösten Stromausfall, einen Blackout, in ganz Europa.
Wie verhalten sich da die Menschen – anfangs und wenn längere Zeit nichts mehr geht, keine Heizung, keine Melkanlagen, keine Tankstelle usw.

Ich fand das Buch spannend und erschreckend; wirklich lesenswert.
Je weiter die Digitalisierung voranschreitet, um so anfälliger werden die Systeme. Das ist heute schon Fakt und kostet die Volkswirtschaft jährlich Unsummen.

Der englischer Mathematiker, Staatstheoretiker und Philosoph Thomas Hobbes (1588 – 1679) würde sich freuen, sein negatives Menschenbild reproduziert zu sehen, Er schrieb sein Hauptwerk >Leviathan< vor dem Hintergrund dem Englischen Bürgerkrieges (1642–1649) und phantasierte sich einen Naturzustand der Menschen, in dem jeder über jeden herfallen würde (homo homini lupus = der Mensch ist dem Menschen ein Wolf“), wenn ihm das dünne Laken der Zivilisation = des funktionierenden Staates entzogen würde.

Was, wenn wir einfach die Welt retten?

Klimawandel ist und wird mit seinen Folgen das beherrschende Thema des 21. Jahrhunderts werden.
Schätzing referiert Fakten, Zahlen und stelle seine persönlichen Recherchen vor, zeigt Möglichkeiten auf, die jetzt – oder eigentlich gestern schon hätten passieren müssen. Jeder Einzelne muss sich bewusster werden, was er tut und welche Folgen das für den Rest seines Lebens und das Leben kommender Generationen bedeuten wird.

Keltenkind

Titelfoto Teil 4
Steinring
Autor Steffen Ziegler

Keltenkind ist ein Liebesgeschichte zwischen einen Germanenjungen und einer Römerin. Der Fund des Pferdekopfes in Waldgirmes hat Steffen Ziegler vom Radio Siegen dazu inspiriert Keltenkind zu schreiben. Das Buch ist aber nicht nur eine einfache Erzählung, sondern es wird von einem römischen Geschichtsschreiber des 1. Jahrhundert n. Chr. erzählt und enthält somit zwischendurch immer wieder den damals angesagten Sechsfußreim. Auch die Ortschaften und Flüsse (Dünsberg, Lahn und Ortschaften in nähere Umgebung) werden in den damaligen Namen genannt. Selbstverständlich gibt es in Band 1 auch eine Karte mit aktuellen Namen falls man nicht erkennt, um welchen Ort es sich handelt. Insgesamt geht die ganze Geschichte über 4 Bücher. In dem Hörbuch, welches ebenso aufwendig produziert wurde, hat jede Figur seine eigene Stimme.

Mein Fazit: Wer geschichtliches und Liebesgeschichten mag, kommt hier voll auf seine Kosten. Es wird allerdings nichts verschönt. Verwundert hat mich, dass Frauen mit den Büchern mehr Probleme hatten, als Männer. Normal lese ich persönlich nur Thriller, Psychothriller und Hardcoregeschichten, wurde aber von der ersten Seite an voll in den Bann der Geschichte gezogen. Ich gebe den Büchern volle 5 Sterne und kann es nur wärmstens empfehlen. Eventuell kommt der Autor im Frühjahr 2021 zur einer Lesung nach Krumbach ins Kirchlein.

Belana & Degenar – Szenenbild aus Keltenkind IV

Weitere Informationen zu dem Buch findet ihr auf Keltenkind.de

Fotos: Steffen Ziegler
Text: Christoph Haus,